Säkularismus als Triebfeder der Verfolgung in Ruanda

Ruanda: Neues Gesetz führt zu 8.000 Kirchenschließungen

Regierung strebt strikte Säkularisierung an / zahlreiche Gemeinden überfordert

(Open Doors, Kelkheim) – Der „Ruanda Governance Board (RGB)“ hat seit Jahresbeginn 8.000 Kirchen in dem kleinen afrikanischen Land schließen lassen, wie die regierungsnahe KT-Press berichtet. Grundlage hierfür ist ein Anfang 2018 erlassener Auflagenkatalog zur Regulierung der Struktur und Arbeitsweise religiöser Organisationen. Viele Beobachter sehen darin auch einen Versuch der Regierung, ihre säkulare Agenda durchzusetzen.

Kirche Saint-Famille in Kigali (Bildquelle: Flickr/Adam Jones/CC)
Bild: Kirche Saint-Famille in Kigali (Quelle: Flickr/Adam Jones/CC)

Strikte Umsetzung teils fragwürdiger Auflagen

Der Regierungsbeamte Justus Kangwagye erklärte, die Auflagen dienten dazu, Mindeststandards im Hinblick auf Sicherheit, Hygiene, Infrastruktur und Gesetzestreue zu gewährleisten. Ein lokaler Analyst kam jedoch nach einer Untersuchung der betroffenen Kirchen zu dem Ergebnis, dass „sogar Kirchen, die für lokale Standards als luxuriös gelten“, schließen mussten. In einer Kirche führte die Schließung zum Abbruch einer laufenden Hochzeitszeremonie. Andernorts wurde die Durchführung von Gottesdiensten in dem Auditorium einer Schule untersagt, in das einige lokale Kirchen nach Schließung ihrer Gebäude ausgewichen waren. Manche Schließungen wurden mit der Verwendung von Holz anstelle von Metall für Eingangstüren und Fensterrahmen begründet; in einer Kirche sollte das Dach „ein kleines Stück höher“ gesetzt werden. Selbst Behörden, die sich anfänglich großzügig zeigten, gehen nach Beobachtung des Analysten mittlerweile deutlich strikter vor, da sie wegen ihrer inkonsequenten Umsetzung der Anordnung des RGB gerügt worden waren. Eine Kirche, der nachträglich angeordnete Auflagen entgangen waren, wurde zum Abbruch eines laufenden Gottesdienstes gezwungen, obwohl sie 80 % der Auflagen erfüllt hatte. Einer bereits zur Schließung gezwungenen Kirchengemeinde wurden sogar Treffen in Privathäusern untersagt.

Immer neue Forderungen

Der ursprüngliche Auflagenkatalog wurde mittlerweile um einige Punkte ergänzt, hier ein Auszug:

  • Sanitäre Anlage müssen einen Mindestabstand zum Gebäudeeingang aufweisen
  • Versammlungsräume müssen eine Zwischendecke aus Segeltuch erhalten (was wegen der deutlich höheren Brandgefahr kritisiert wird)
  • Alle Zugangsstraßen zu Kirchen müssen eine Teerdecke aufweisen
  • Innenwände von Kirchengebäuden müssen verputzt und gestrichen sein, so dass kein Mauerwerk sichtbar ist
  • An den Gebäuden müssen Blitzableiter installiert werden
  • Pastoren müssen über eine theologische Qualifikation einer akkreditierten Bildungseinrichtung verfügen
  • Nur Bildungseinrichtungen, an denen auch technisch-wissenschaftliche Fächer gelehrt werden, dürfen theologische Bildung vermitteln (was zahlreiche renommierte theologische Bildungseinrichtungen ausschließt)

Säkularisierung schränkt Christen spürbar ein

In der jüngeren Vergangenheit hat die ruandische Regierung große Anstrengungen zur Säkularisierung unternommen. So wurden die bislang weit verbreiteten Gebetstreffen in öffentlichen Einrichtungen verboten und alle christlichen Bezüge aus der Präambel der Verfassung entfernt. Bei Gedenkfeiern zum Völkermord dürfen Geistliche nicht mehr das Wort ergreifen, obwohl sie in der Vergangenheit in der Versöhnungsarbeit zwischen Hutu und Tutsi eine wichtige Rolle gespielt haben. An zwei Sonntagen pro Monat werden die Hauptstraßen gesperrt, was viele Kirchgänger vom Besuch der Gottesdienste abhält. Gleichzeitig finden sonntags viele Veranstaltungen der Regierungspartei statt.

Kirchenleiter sind angesichts der Entwicklung sehr besorgt, besonders nachdem zwischenzeitlich sechs Pastoren unter dem Vorwurf festgenommen wurden, gemeinschaftlichen Widerstand gegen den Staat zu planen. Obwohl die sechs wieder freigelassen wurden, gilt die Maßnahme als ernste Warnung, den neuen Vorgaben Folge zu leisten.

Der Geschäftsführer des RGB, Professor Anastase Shyaka, äußerte am 15. Juli gegenüber dem Medienhaus Kigali Today, alle betroffenen religiösen Organisationen könnten weiter aktiv bleiben, ihr Recht auf Religionsfreiheit werde nicht eingeschränkt. Ruanda wird derzeit nicht auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors geführt; ca. 90 % der Bewohner sind Christen.

Quellen: World Watch Monitor, Open Doors

Bitte beten Sie für die Christen in Ruanda und für ihr Land:

  • Beten Sie um Weisheit für alle Pastoren und geistlichen Leiter, angemessen auf die Vorgaben und Schließungen zu reagieren.
  • Beten Sie für alle betroffenen Gemeinden, dass die Schließungen das geistliche Leben nicht lähmen, sondern neu beleben.
  • Beten Sie für die ruandische Regierung, dass sie die Glaubensfreiheit der Bevölkerung respektiert und schützt und die Christen nicht als Bedrohung wahrnimmt.

 

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